Ein Bericht über acht Tage am Rennrad, gefühlt vorwiegend bergauf.

Wer Urlaub mit Sonne, Sandstrand, Liegestuhl, Faulenzen, Baden und kulinarischen Genüssen verbindet, hört hier besser auf, weiter zu lesen.

Dem gegenüber steht eine Woche am Stück Radfahren bei Sonnenschein, Regen, Kälte, täglich wechselnden Unterkünften und Nahrungsaufnahme hauptsächlich zum Zwecke regelmäßiger Energiezufuhr gegen drohende Hungeräste.

Vielleicht muss man/frau ein wenig (rad)verrückt sein, um sich das jedes Jahr wieder anzutun. Aber die morgendliche Stille, die nur vom eigenen Atem auf so mancher Passstraße unterbrochen wird, die überwältigenden landschaftlichen Eindrücke tagsüber und die abendlichen Gespräche mit Gleichgesinnten lassen eine Etappenfahrt zum unvergesslichen Erlebnis werden.

So machten wir uns wieder einmal auf die Reise nach Annemasse am Genfer See, einem beliebten Start- und Zielort für Etappenfahrten über die in der Nähe sich auftürmenden Monumente der Savoyer Alpen. Nach und nach trudelten die Teilnehmer aus drei Nationen ein, mit denen wir eine ganze Woche mit Corona-Abstand verbringen sollten.

Nach dem ersten Abendessen informierte der Chefguide das 30köpfige Team über die Tücken (Wetter, Steigungsprozente etc.) des nächsten Tages und – ganz wichtig – den Ort der Tagesverpflegung unterwegs. Dieses täglich wiederkehrende Procedere hatte Spannungspotential.

1.Tag

Prolog im Genfer Umland

 

2.Tag

Die Auftaktetappe führte uns von Annemasse über drei kleinere Pässe in die Olympiastadt Albertville. Drohenden schwarzen Wolken am Horizont setzten wir ein höheres Tempo am letzten Berg, dem Col de Tamié entgegen und erreichten glücklicherweise unser Etappenziel noch vor dem einsetzenden Gewitter.

3.Tag

Ein kurzes, regenloses Fenster am Morgen des zweiten Tags bot uns die Gelegenheit zum Aufbrechen. Vorabendlich gut vorbereitet, was uns am im Anstieg zum Col de la Madeleine erwarten wird, füllten wir die Trikottaschen mit Überschuhen, langen Handschuhen, Spraypant und Regenjacke. Das sollte alles nicht viel nützen. Ein stundenlanger Dauerregen durchnässte den Körper und unterkühlte ihn. Nicht einmal der am Pass wartende Verpflegungsbus konnte das Leid der Durchgefrorenen lindern und so zitterten wir uns samt Rad von 2000m auf 400müM ins Mauriennetal hinunter. In La Chambre angekommen, lichtete sich der Himmel etwas und der Starkregen gab auf, uns zu quälen. Das kam uns sehr gelegen, weil sich noch zwei Pässe in den Weg stellten bis in den Wintersportort Valloire. Zum einen der von der Tour de France 2018 bekannte Lacets de Montvernier (Col de Chaussy) mit seinen zahlreichen engen Kehren und schmalen Traversen im Felsgestein und zum anderen der leicht zu befahrene Col du Télégraphe.

4.Tag

Der Wetterbericht für die dritte Etappe hörte sich schon etwas „besser“ an: zwar extreme Kälte und windig, aber dafür trocken. An einem derart prognostizierten „Sommertag“ bleibt nichts anderes übrig als die Wintersachen auszupacken und damit den Col du Galibier hochzukurbeln. Auf der Passhöhe war´s wahrlich nicht gemütlich und für ein Foto fehlte mir die Motivation. Nach der Abfahrt zum Col du Lautaret schien das Schlechtwetterprogramm erledigt. Die Sonne setzte sich allmählich durch und es folgten beeindruckende Ausblicke ins Tal Richtung Bourg d`Oisans vom Balcon d´Auris und der anschließenden Auffahrt zur Skistation Alpe d´Huez.

5.Tag

Das Roadbook des vierten Tages verkündete drei lange Anstiege: den Col de la Croix de Fer, anschließend den Col du Mollard und zum Schluss den Anstieg in das kleinen Skidorf Aussois. Lediglich ein Defekt an meinem Pedal hinderte mich zwischendurch an der Weiterfahrt und verschaffte Marianne eine Verschnaufpause von einer Stunde bis mir das Betreuungsfahrzeug ein neues Pedal brachte.

6.Tag

Mit schon etwas müden Beinen wollten wir den einzigen Anstieg der fünften Etappe auf das Dach der Tour, dem Col de L´Iseran (2.764m), möglichst rasch überwinden um dann schon am frühen Nachmittag im Hotel die Beine hoch lagern zu können als Vorbereitung für die folgende Königsetappe. Daraus wurde leider nichts, weil das Hotel erst am späten Nachmittag aufsperrte.

7.Tag

Marianne und ich kannten die vorletzte Etappe schon von 2015. Viereinhalb Cols über 140km und 3.700hm inkl. landschaftlicher Highlights mit mittelsteilen Anstiegen, tiefen Schluchten, serpentinenreichen Abfahrten, blitzblauen Hochgebirgsseen, engen Gassen in einsamen Dörfern und – immer wieder im Blickfeld – das schneebedeckte Bergmassiv des Montblanc. Spätestens an einem solchen Tag lohnen sich all die Anstrengungen und man versucht, die vorbeiziehenden Landschaftsbilder abzuspeichern.

8.Tag

Am letzten Tag einer Tour rollt das Feld üblicherweise gemütlich, zumeist flach Richtung Ziel. Diesmal baute der Veranstalter noch einige Hochprozenter (z.B. den Col de Joux Plane) ein, was uns aber nicht davon abhielt, die Sache doch etwas gemütlicher als an den Vortagen anzugehen. Vor allem der traumhaft wolkenlose Himmel mit der Aussicht auf den Mont Blanc und dem nahenden Ziel vor Augen beflügelte und ließ dem Adrenalin freien Lauf.  

Geschafft!

Mit einem gemütlichen Abend bei Bier, Wein und einer Riesenpizza, von der wir schon seit Tagen träumten, feierten wir den Abschluss einer gelungenen Woche auf dem Rennrad.

Für die Statistik:   840 Km – 20.300 Hm – ca. 44 Std Fahrzeit – ca. 20.000 Kcal

Vielen Dank an Marianne und Peter für den eindrucksvollen Bericht!

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